Am 1. August brach eine Gruppe von 10 Interessierten nach Okinawa auf, um die Begegnung mit dem Geist und der Seele unserer Kampfkunst zu wagen. Dazu hatte uns Tamayose Hidemi Sensei (10. Dan Kobudō und 10. Dan Shurin-Ryū) die Möglichkeit eingeräumt, vor Ort zu trainieren. Organisiert wurde dies dankenswerterweise von Frank Pelny Sensei (8. Dan Karate 7. Dan Kobudō), dem Hauptvertreter des Ryūkyū Kobudō Tesshinkan für Europe. Voller Vorfreude auf die bevorstehenden neuen Erfahrungen machten wir uns auf den weiten Weg.

Kaum angekommen, begannen wir schon am nächsten Morgen um 6:30 Uhr Ortszeit (!) mit dem Training am Strand von Naha. Da tagsüber die Temperaturen für uns schon kaum zu ertragen waren, nutzten wir die noch “morgendliche Kühle“ (27°). Dennoch waren alle mit Begeisterung dabei, Kobudō aus erster Hand vermittelt zu bekommen.
Zwei von uns nutzen die Gelegenheit, sich im Kobudō zum 2. Dan (Heike Pelny / Nordhausen und Kathrin Zoche / Leipzig) und Frank Pelny selbst zum 7. Dan und Kyōshi erfolgreich prüfen zu lassen.


Neben der wunderbaren Atmosphäre, dem freundlichen Miteinander und der offenen Art vom Tamayose Hidemi Sensei, waren alle vom Besichtigungsprogramm, das Frank organisiert hatte, sehr angetan: Wir besuchten die traditionellen Trainingshallen der Präfektur Okinawa für die Kampfkünste (Budōkan und das Karate Kaikan mit einem schönen Museum über Karate und Kobudō), wo man sogar nach Voranmeldung unter Leitung eines Meisters trainieren kann. In der großen Halle des Budōkan finden auch die Weltmeisterschaften statt.




Daneben konnten wir wunderschöne Gartenanlagen, Tempel (buddhistisch) & Schreine (shintoistisch), sowie das beeindruckende Shurijo (Königsschloss) von Naha sehen. Besonders tiefgreifende Eindrücke hinterließen der Gedenkstein von Funakoshi Gichin und auch die Gedenkstätte der Seestreitkräfte der Japaner im 2. Weltkrieg (Gedenken an den schrecklichen Krieg und die damit einhergehende Zerstörung von großen Teilen Okinawas und die vielen Toten, die sinnlos ihr Leben opfern mussten).


Nach einer kurzen und äußerst überraschenden Verzögerung durch den in diesem Jahr schon 13. Taifun (2 Tage) auf Okinawa ging es weiter auf die Hauptinsel Honshū. Leider musste daher der eigentlich geplante dreitägige Besuch von Kyōto ausfallen und es ging über Osaka und Himeji weiter nach Hiroshima.
Beim Tagesstopp in Himeji standen die Tempelanlagen von Engyoji (unter anderem mit dem Tempel, in dem ein Teil von „The Last Samurai“ mit Tom Cruise gedreht wurde) auf dem Programm. Auch die berühmte weiße Kranichburg, eine der am besten erhaltenen alten Burgen Japans konnten wir bestaunen und erkunden.

In Hiroshima besuchten wir den im Zentrum gelegenen Friedenspark. Der wurde genau an der Stelle errichtet, wo die Atombombe der Amerikaner am 6. August 1945 die Stadt komplett ausgelöscht hatte. Das war sehr eindrücklich und berührend, wenn man auch bedenkt wie viele Menschen durch diesen Wahnsinn dort ihr Ende fanden!
Ein Ausflug zur Insel Miyajima bescherte uns den unvergesslichen Eindruck des, die meiste Zeit vom Meer umfluteten, berühmten großen roten Torii vor der Insel. Natürlich haben wir auch einen Aufstieg zu den auf dem dortigen Berg gelegenen Tempelanlagen nicht versäumt. Dafür wurden wir zusätzlich durch eine atemberaubende Aussicht über das Land belohnt.

So erlebten wir neben den alten Stätten unserer Kampfkunst, mit seinen auch weltanschaulichen Ideen (aus dem Taoismus, Shintoismus und Zen Buddhismus) eine eindrückliche Reise, sowohl in die Vergangenheit als auch in die Gegenwart unserer Kampfkunst.
Auf dem Rückflug mit neun Stunden Aufenthalt in Taipei (Taiwan, ehemals Formosa), hatte Frank noch eine Stadtrundfahrt organisiert, die uns an so fantastische Orte wie die taoistisch-buddistische Tempelanlage „Longshang“, den Tower 101 mit 508 m Höhe mit beeindruckender Aussicht auf Taipei von der 89. Etage und das Chiang Kai-Shek Memorial führte.
Frank ist nicht genug für seine kluge Planung und die Auswahl der mannigfaltigen sehenswürdigen Orte und Geschichten zu danken, die den Wunsch nach Mehr entfachten.
Erfüllt mit den vielen Eindrücken, traten wir dann den 13-stündigen Rückflug in der Heimat an. Glücklich zu Hause gelandet, waren fast alle noch geflasht von all den vielen Erlebnissen, die sicherlich noch eine ganze Weile in uns Allen nachwirken werden.









Bericht und Fotos: Dr. Michael Schorr / Ken Budo Heiligenstadt e.V.
